Gestalttherapie – einfach erklärt
Gestalttherapie ist eine Form der Psychotherapie, die Menschen hilft, sich selbst besser zu verstehen und bewusster im Hier und Jetzt zu leben.
Sie schaut darauf, wie jemand fühlt, denkt, handelt und mit anderen in Kontakt geht – genau in diesem Moment.
Der Grundgedanke lautet:
Wenn wir wahrnehmen, was jetzt gerade mit uns passiert, können wir uns verändern und wachsen.
Ziele der Gestalttherapie
Die wichtigsten Ziele sind:
- Selbstbewusstsein stärken – erkennen, was man wirklich fühlt und braucht
- Ganzheitliches Verstehen – Körper, Gedanken und Gefühle zusammenbringen
- Kontakt zu anderen verbessern
- unfertige Themen („offene Gestalten“) abschließen
- eigene Verantwortung übernehmen
- innere Klarheit und Ruhe finden
Gestalttherapie möchte helfen, innerlich „aufzuräumen“, damit das Leben wieder freier wird.
Was macht man in der Gestalttherapie?
Typische Inhalte sind:
- Gefühle bewusst wahrnehmen
- Konflikte oder alte Muster erkennen
- Beziehungen verstehen
- Blockaden oder Ängste anschauen
- Grenzen setzen und Bedürfnisse ausdrücken
- die eigene Lebensgeschichte sortieren
- alte, belastende Erfahrungen bearbeiten
Es geht also viel darum, echten Kontakt zu sich selbst zu bekommen.
Methoden der Gestalttherapie
Gestalttherapie arbeitet praktisch, erfahrungsorientiert und kreativ – weniger über „reines Reden“. Typische Methoden sind:
Arbeit im Hier und Jetzt
Der Therapeut fragt oft:
- „Was passiert gerade in dir?“
- „Was fühlst du in diesem Moment?“
- „Was nimmst du im Körper wahr?“
Experimente
Kleine Übungen, um neue Erfahrungen zu machen, z. B.:
- eine Geste ausprobieren
- eine Körperhaltung verändern
- mit verschiedenen Stimmen oder inneren Anteilen sprechen
Rollenspiele
Um Konflikte, Gefühle oder Beziehungen sichtbar zu machen.
Beispiel: ein Gespräch innerlich fortsetzen, das nie beendet wurde.
„Leerer Stuhl“-Methode
Eine bekannte Gestalt-Übung:
Eine Person setzt sich einem leeren Stuhl gegenüber und spricht z. B. zu einer anderen Person, einem Gefühl oder einem inneren Anteil.
Das macht innere Themen sichtbar und spürbar.
Arbeit mit Körper-wahrnehmung
Atmung, Spannungen, Haltung – alles zeigt, wie es uns gerade geht.
Kreative Ausdrucksformen
Zeichnen, Bewegung, Stimme – je nachdem, was passt.
Wie arbeitet ein Gestalttherapeut?
Ein Gestalttherapeut:
- ist authentisch (kein „neutraler Experte“, sondern echtes Gegenüber)
- arbeitet dialogisch (viel Kontakt, echte Beziehung)
- begleitet, ohne zu bewerten
- hilft, sich selbst zu spüren
- unterstützt dabei, Verantwortung zu übernehmen
Die Beziehung zwischen Therapeut und Klient ist dabei ein zentrales Element.
Was ist das Besondere an der Gestalttherapie?
- Sie ist erlebnisorientiert: nicht nur reden, sondern fühlen und ausprobieren.
- Sie ist ganzheitlich: Körper, Gefühle und Gedanken gehören zusammen.
- Sie ist authentisch und auf Augenhöhe.
- Sie arbeitet mit dem, was gerade geschieht – nicht nur mit der Vergangenheit.
Man könnte sagen: Gestalttherapie hilft, „ganze Gestalten“ entstehen zu lassen – also ein stimmiges, lebendiges Bild von sich selbst.
